Schliersee: Ästhetische Intervention an Freikorps-Tafel

kunsttaktion

Nicht nur in Reichenhall gibt es rechte Traditionspflege, sondern auch in Schliersee. An der „Freikorps-Gedenktafel“ auf dem Weinberg in Schliersee findet jedes Jahr im Mai eine von Alt- und Neonazis besuchte rechte Gedenkveranstaltung statt. Heute (Do 19.05.16) haben die Künstler Wolfram P. Kastner und Joss Bachhofer gemeinsam mit dem Bündnis gegen rechtsextreme Umtriebe im Oberland im Rahmen einer „Ästhetischen Intervention“ eine alternative Gedenktafel installiert. Die Gedenktafel mit der Aufschrift: „Für Akzeptanz und ein friedliches Miteinander. Gegen Naziterror und Rechtsextremismus einst und heute.“ soll nach Ansicht der Antifaschist*innen zukünftig die derzeitige Tafel, welche das rechtsterroristische Freikorps Oberland verherrlicht, ersetzen.

neue tafel

In einer Pressemitteilung heißt es:

„ Die alte Nazi-Gedenkstätte am Weinberg, zu deren Einweihung Göring anwesend war und zu der 1927 auch Hitler pilgerte, wurde zwar 1945 gesprengt. 1956 aber ließ der damalige Schlierseer Pfarrer Widholz eine neue Gedenktafel in die Außenmauer der Georgskapelle einfügen.

Welche Bedeutung dieser “Gedenkort“ für die Nazis hatte und immer noch hat, lässt sich gut nachvollziehen, wenn man die Rolle des Freikorps Oberland und des Bund Oberland in der NS-Zeit betrachtet – von der Bekämpfung der Münchener Räterepublik, der Beteiligung an der Ermordung Andersdenkender(Fememorde), der Teilnahme am Hitlerputsch bis hin zur Eingliederung in die SA und SS.“

Zur weiteren Information empfehlen wir die Broschüre „Die Geschichte der Kameradschaft Freikorps und Bund Oberland’“, welche zum kostenlosen download angeboten wird.

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Presseberichte

Hier einige Presseberichte (bitte mailt uns weitere Artikel an: infogruppe[minus]rosenheim[at]riseup.net) :
18.05.16

Neues Deutschland: Rabatz gegen das Verdrängen

https://www.neues-deutschland.de/artikel/1012136.rabatz-gegen-das-verdraengen.html

 

17.05.16

BGLand24: Demonstration für Ende der Kreta-Feier in Reichenhall

http://www.bgland24.de/bgland/region-bad-reichenhall/bad-reichenhall-ort28289/reichenhall-menschen-hearing-eine-gelungene-demonstration-6407588.html Presseberichte weiterlesen

Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall

»Es sollte klar geworden sein, dass die Kreta-Feier eine unverhohlene Verherrlichung des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges gegen die Bevölkerung ist. Wir können uns nach diesem Wochenende nicht vorstellen, dass in Bad Reichenhall außer dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe noch jemand daran festhalten möchte.«
Anna Jade, Pressesprecherin des rabatz bündnisses

Ein eindrucksvolles Hearing und eine gelungene Demonstration in Bad Reichenhall am Samstag setzen ein nicht zu übersehendes Zeichen für ein Ende der Kreta-Feierlichkeiten. Das rabatz bündnis zieht trotz Polizeiprovokationen ein positives Fazit und erhofft sich neuen Schwung für die Debatte um Entschädigung für die Kriegsverbrechen der Wehrmacht.

Das Hearing begann mit einem historischen Vortrag, der Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgsjäger auf Kreta sowie an anderen Orten darlegte und sich kritisch mit der jährlichen Kreta-Feier auseinandersetzte. Der 92-jährige Zeitzeuge Nikolaos Marinakis schilderte grausame Details von der Ermordung von 148 Einwohner*innen Skines am 1.August 1941, die nachweislich durch das Gebirgsjägerregiment 100 aus Reichenhall erfolgte. Angesichts der Zerstörungen, die die Wehrmacht in Kreta und Griechenland anrichtete, stellte er unter großem Applaus hinsichtlich der von Deutschland verordneten Austeritätspolitik die Frage: Wer schuldet hier eigentlich wem? Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall weiterlesen

DANKE! ευχαριστώ!

Wir danken allen Teilnehmer*innen des antifaschistischen Aktionstags in Bad Reichenhall. Gemeinsam ist es uns gelungen, ein eindrucksvolles Zeichen im Kampf um Entschädigung für deutsche Kriegsverbrechen, das Andenken an den Partisan*innenwiderstand und gegen faschistische Traditionspflege zu setzen . An dem vierstündigen Hearing nahmen rund 130 interessierte Personen teil, an der anschließenden Demonstration beteiligten sich rund 150 Mitstreiter*innen. Trotz der Versuche der Polizei, mit illegalen Maßnahmen wie Vorkontrollen[1] die Veranstaltungen und ihre Besucher*innen zu behindern und zu provozieren, konnten alle geplanten Programmpunkte umgesetzt werden.

(Bild: Robert Andreas via twitter)

Auf der Demonstration im Anschluss des Hearings wurde u. A. zur Erinnerung an die von deutschen Gebirgsjägern Ermordeten symbolisch eine Gedenktafel an der „Kreta-Brücke“ angebracht.

(Bild: Robert Andreas via twitter)

Wir werden am Sonntagabend den Tag noch mit einem ausführlicheren Bericht (Pressemitteilung) reflektieren. DANKE! ευχαριστώ! weiterlesen

Protest gegen Kameradschaftsabend und Brendten- Feier

Am Samstag ist der antifaschistische Aktionstag mit Hearing und Demo in Bad Reichenhall. Bereits im Vorfeld gab es antifaschistische Aktionen. So besuchten heute (Freitag)  Antifaschist*innen die Brendten- Feier Gedenkfeier des Kameradenkreises auf dem Hohen Brendten bei Mittenwald. Unfreiwillig wurden die Teilnehmer*innen der „Gedenkfeier“ an die Kriegsverbrechen der Gebirgsjäger erinnert. Während der Hauptrede legten Antifaschist*innen vor dem „Ehrenmal“ einen Kranz, mit einer mehreren Meter langen Binde nieder.

mittenwald

(Bild: Antifaschist*innen legen Kranz am Hohen Brendten nieder)

Die Binde trug die Aufschrift:

Wir trauern um die Opfer der deutschen Gebirgstruppe

Im 2. Weltkrieg haben die Gebirgsjäger Überall in Europa Kriegsverbrechen begangen

Es wurden Zivilisten und Gefangene ermordet und zahlreiche Dörfer zerstört.

Dem folgte auf mehreren Metern die Aufzählung durch deutsche Gebirgsjäger zerstörter Dörfer und die Zahlen der ermordeten Zivilisten

Kranz

(Bild: Der niedergelegte Kranz)

Bereits am Donnerstag protestierten Antifaschist*innen vor der Bad Reichenhaller gegen das Treffen (Kameradschaftsabend) der Kameradschaft Bad Reichenhall im Kameradenkreis der Gebirgstruppe e.V. (Presse: http://www.heimatzeitung.de/lokales/berchtesgadener_land/2072275_US-Army-hilf-uns…-Linke-demonstrieren-vor-Kaserne.html)

Screenshot heimatzeitung

(Bild: Screenshot von: http://www.heimatzeitung.de)

 

 

 

 

 

 

 

(Bild: Der niedergelegte Kranz)

US Army hilf uns doch – Die Wehrmacht trifft sich immer noch

Am gestrigen Donnerstag fanden sich einige Aktivist*innen mit dem Banner „Euer Verdrängen kotzt uns an“ und einem Transparent, das in deutscher und griechischer Sprache Entschädigungen für Kriegsverbrechen forderte, vor der General-Konrad-Hochstaufen-Kaserne in Bad Reichenhall ein: Dort hatte die Kameradschaft Bad Reichenhall im Kameradenkreis der Gebirgstruppe ab 18.00 Uhr ihren Kameradschaftsabend im Unteroffiziersheim angekündigt.

Allerdings waren Kameraden nur vereinzelt zu sehen: Offenbar wurde der Termin kurzfristig etwas ummodelliert und nur ein Ex-Militär der „Nach-1945er-Generation“ fand sich gegen 18.00 Uhr mit dem Fahrrad ein. Wer mit PKWs die Einfahrt passierte, war im Detail nicht zu erkennen.

Die Aktion bildete den Auftakt für ein »langes Wochenende«: Heute, Freitag, ist der Tag der Gebirgstruppe in Mittenwald – mit Brendtengedenkfeier ab 15.00 Uhr. Morgen, Samstag, Hearing und Demo. Am Mittwoch dann das Kreta-Gedenken in Bad Reichenhall.

Das Reichenhaller Tagblatt berichtet.

Stadtplan/Auftaktkundgebung

Hier findet ihr einen Stadt- und Zeitplan (download als pdf) für den antifaschistischen Aktionstag am Samstag in Bad Reichenhall. Achtung der Ort für die Auftaktkundgebung hat sich um ca. 100 Meter in Richtung Fußgängerzone verschoben: Start der Demo ist nun in der Kurstraße (Fußgängerzone) in Richtung Salzburger Straße und nicht vor dem Königlichen Kurhaus

Die Nummer des Ermittlungsausschuss ist: 089/4489638

Treffpunkte für die Anreise:

  • Nürnberg: 07.00 Uhr – Hauptbahnhof – Schalterhalle West
  • München: 08:30 Uhr – Hauptbahnhof – Anzeigtafel
  • Rosenheim: 09:15 Uhr – Bahnhof
  • Regensurg: Infos zur Anreise gibt es am Do 12.05 um 19 Uhr im LiZe
  • Salzburg: 09:50 Uhr – Hauptbahnhof

Demo Karte2

Stadtplan als pdf downloaden: Demo Karte2

Bewegt sich Bad Reichenhall?

Am kommenden Samstag wird zum ersten Mal ein Geschädigter der Reichenhaller Gebirgsjäger in der oberbayerischen Kurstadt öffentlich zu Wort kommen. Oberbürgermeister Dr. Lackner empfängt den 92-jährigen Nikolaos Marinakis aus Skines im Vorfeld eines Hearings, das um 12.00 Uhr im Kurgastzentrum beginnt.

Neben Marinakis ist auch Aristomenis Syngelakis vom Nationalrat für die Entschädigungsforderungen Griechenlands vom Stadtoberhaupt eingeladen. Positiv überrascht zeigt sich Anna Jade, Sprecherin des rabatz bündnisses: »Wenn die Einladung zum Gespräch nicht nur eine Formalie ist, sondern Herr Dr. Lackner seinen Gästen zuhört, gehen wir davon aus, dass die Stadt ihre Zusammenarbeit mit dem Kameradenkreis schon bald einstellen wird.«
Dies sei alternativlos. Denn, »wer sich die bestialischen Verbrechen der Wehrmacht auf Kreta vor Augen führt, kann den Kameradenkreis der Gebirgstruppe als deren Traditionsträger nicht mehr unterstützen.« Bewegt sich Bad Reichenhall? weiterlesen

Kampf um »Ghetto-Renten«

Die juristische Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland gleicht einem Minenfeld, spätestens dann, wenn es um materielle Entschädigungen oder Forderungen geht. Diese Erfahrung musste auch der Sozialrichter Jan-Robert von Renesse aus Essen machen.

In der Anwendung des „Gesetzes zur Zahlbarmachung von Renten aus Beschäftigungen in einem Ghetto“ arbeitete er anders, vor allem zügiger und wohlwollender als seine Berufskollegen. Deren Verhalten legte den Verdacht des „Aussitzens“ bis zum Versterben der Anspruchsberechtigten nahe.

In der Konsequenz sah sich der Sozialrichter selbst der Justiz ausgesetzt. In einem Disziplinarverfahren gegen ihn wird im März diesen Jahres ein Vergleich vorgeschlagen. Julia Smilga hat für den Bayerischen Rundfunk von Renesse über mehrere Jahre begleitet und eine eindrückliche Reportage über Renesse’s Wirken erstellt.
Sie kann hier als mp3 heruntergeladen oder hier nachgelesen werden.

Es begann bei (k)einem Schweinebraten..

»Von Mittenwald nach Bad Reichenhall« lautete der Untertitel des Aufrufs 2011. Bezugspunkt dabei war die Kampagne gegen die Brendtenfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, durchgeführt durch den Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege.

Der erste Besuch am Rand der Brendtenfeier datiert dabei auf das Jahr 2002: Beim traditionellen Schweinebratenessen wurden die anwesenden Gebirgstrüppler dazu aufgefordert, eine Schweigeminute für die Opfer ihrer Kriegsverbrechen abzuhalten. Wir dokumentieren einen Bericht aus dem Jahr 2003 zitiert nach nadir.org.
Einiges hat sich in Mittenwald seitdem geändert – zum Beispiel die Speisevorlieben: Statt Schweinebraten verzehrt die Truppe lieber rohe Leber. 2016 wird die Brendtenfeier übrigens am Freitag, 13.Mai, in Mittenwald abgehalten.

Mein Opa ist Kriegsverbrecher und wohnt in Mittenwald

Nach Presseangaben besuchte am 18. Mai 2002 eine Zahl von 56 Autonomen aus Köln in der Kneipe Postkeller das fünfzig lange Jahre ungestörte Kameradschaftstreffen der Gebirgsjäger. Ohne größere Behinderungen gelangten sie über eine Treppe und in einem kommunistischen Sinne vorbei an einem Eintrittstisch in den mit ca. 200 Gebirgsjägern, Bundeswehrsoldaten und ihren Angehörigen voll besetzten Kneipensaal. Es begann bei (k)einem Schweinebraten.. weiterlesen