Zeitlose soldatische Tugenden

„Bis heute ist es der Bundeswehr nicht gelungen, sich aus den Fesseln einer fatalen Traditionspflege zu lösen“ heißt es in dem Artikel »Zeitlose soldatische Tugenden« von Jakob Knab: ( Die Zeit Nr. 46, 10. November 2005). Wir zitieren hier jenen Anschnitt welcher sich mit dem NS-Gebirgsjägergeneral Eduard Dietl, dem Namenspatron der Bad Reichenhaller Kaserne befasst:

(…) Doch auch der Fall des Generals der Gebirgstruppe Rudolf Konrad (1891 bis 1964) zeigt, welcher Geist noch in den sechziger Jahren bei der Bundeswehr herrschte. Während der »Winterkrise« im Dezember 1941, als der »Blitzkrieg« gegen die Rote Armee bereits gescheitert war, wurde Konrad von Hitler persönlich zum Kommandierenden General eines Armeekorps ernannt. Gleich darauf, zu Weihnachten, bekundete ihm Konrad in glühenden Worten die Treue: »Dem Führer und seinem Werk gehört unsere ganze Hingabe. Wir wollen es hüten und siegreich tragen durch das neue Jahr zum Heile Deutschlands.«

Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1942 versammelte sich Konrads Korpsstab zu einer Feierstunde. »Es war das Feldherrngenie des Führers«, wurde Hitler aus der Ferne angehimmelt, »welches die deutschen Heere von Sieg zu Sieg eilen ließ. Sein Verdienst war es, das Eindringen der bolschewistischen Horden nach Europa im richtigen Augenblick zu erkennen und den Stoß blitzschnell zu parieren. Diesem unbeugsamen Willen in äußerster Pflichterfüllung nachzueifern, was auch kommen mag, sei unser Gelöbnis am heutigen Geburtstag des Führers.«

Von Ende 1941 bis Anfang 1944 war die Krim im Schwarzen Meer von den Deutschen besetzt; die Halbinsel sollte zu einem Mustergebiet nationalsozialistischer Herrschaft werden. Partisanen machten der Truppe hier, auch im Befehlsbereich der Gruppe Konrad, seit Ende Oktober 1943 schwer zu schaffen. Konrad schlug gnadenlos zurück, ließ ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar–Suja in Grund und Boden bombardieren. Gern arbeitete er auch mit SS- und Polizeiführern zusammen.

»Wir hoffen, daß in der neuen Schale die alten Soldaten stecken«

Schon bald nach dem Krieg war der General »wieder dabei«. Im Mai 1953 trafen sich 10000 Gebirgsjäger (»Kameraden unter’m Edelweiß«) in München zum »Tag der Treue«. In Erwartung der nahenden Wiederbewaffnung sprach man bereits zukunftsfroh von der »neuen Wehrmacht«. Konrad war der Anführer der Veteranen: »Wir hoffen, daß in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und Stolz des deutschen Volkes waren.« In Bad Reichenhall wohnen Bundeswehrsoldaten heute noch in einer General-Konrad-Kaserne; eine Studie des Militärgeschichtlichen Forschungsamts in Potsdam zum Casus Konrad bleibt unter Verschluss. (…)

Quelle: http://www.zeit.de/2005/46/A-Bundeswehr