Initiative gegen falsche Glorie fordern die Umbenennung der General-Konrad-Kaserne Reichenhall

Wir dokumentieren an dieser Stelle die Pressemitteilung.“ 70. Jahrestag des Überfalls auf die Sowjetunion: Wir fordern die Umbenennung der General-Konrad-Kaserne Reichenhall“ der „Initiative gegen falsche Glorie“:

Am 22. Juni 1941 überfiel Hitlers Wehrmacht die Sowjetunion. An vorderster Front kämpften die Gebirgsjäger von General Rudolf Konrad (1891 – 1964).

In seinem neuen Buch „Der Hungerplan im ‚Unternehmen Barbarossa’ 1941“ (wvb 2011)
kommt der Historiker Wigbert Benz zu diesem Ergebnis:
Der deutsche Überfall auf die UdSSR am 22. Juni 1941 wurde im Kern als Eroberungs- und Vernichtungskrieg geplant. Zig Millionen Menschen sollten in den besetzten Gebieten der Sowjetunion verhungern, um Nahrungsmittel für Wehrmacht und deutsche Bevölkerung frei zu machen. So sahen es die vor Beginn des Russlandfeldzuges in Göring Vierjahresplan ausgearbeiteten wirtschaftspolitischen Richtlinien vor. Wegen des gescheiterten Blitzkrieges konnten die Planungen nicht im vollen Umfang realisiert werden. Trotzdem verhungerten Millionen Menschen. Allein in Leningrad verhungerten eine Million Einwohner; mehr als zwei Millionen sowjetische Kriegsgefangene, die sich in deutschem Gewahrsam befanden, wurden dem Hungertod ausgeliefert.

In seiner „Darstellung der Ereignisse“ vom 20. Februar 1942 befürchtete General Konrad, dass eine Hungersnot eine „Zunahme von Sabotageakten“ verursachen würde. Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1942 versammelte sich Konrads Korpsstab in der ostukrainischen Industriestadt Tschistjakowo zu einer Feierstunde: „Es war das Feldherrngenie des Führers“, wurde Hitler aus der Ferne angehimmelt, „welches die deutschen Heere von Sieg zu Sieg eilen ließ. Sein Verdienst war es, das Eindringen der bolschewistischen Horden nach Europa im richtigen Augenblick zu erkennen und den Stoß blitzschnell zu parieren.“ General Rudolf Konrad war von der Notwendigkeit der ideologischen Gleichschaltung überzeugt; ab April 1943 wurden u.a. diese Themen der wehrgeistigen Führung vorgegeben: „Die Juden sind unser Unglück“ sowie „Kampf gegen den Weltfeind – das Judentum“.

Von Ende 1941 bis Anfang 1944 war die Krim von den Deutschen besetzt. Auf der Krim wurde die „sofortige Lösung der Judenfrage“ gefordert (Benz, Seite 71). Partisanen machten der Truppe hier, auch im Befehlsbereich der Gruppe Konrad, seit Ende Oktober 1943 schwer zu schaffen. Konrad schlug gnadenlos zurück, ließ ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar–Suja in Grund und Boden bombardieren. Überfälle der „Krim-Banditen“ – so General Konrad im Herbst 1943 über die „Bandenlage auf der Krim“ – dienten dem „Zwecke der Lebensmittelbeschaffung“. Siehe auch meinen Beitrag: http://www.zeit.de/2005/46/A-Bundeswehr?page=all

Der traditionswürdige General Konrad zählt zu den Tätern des Vernichtungskrieges.
Der Militärhistoriker Wolfram Wette (Waldkirch) spricht hier vom „anderen Holocaust“.

Traditionspflege ist Geschichtspolitik. Die politische Verantwortung für die Traditionspflege der Bundeswehr trägt der Bundesminister der Verteidigung.

4 Gedanken zu „Initiative gegen falsche Glorie fordern die Umbenennung der General-Konrad-Kaserne Reichenhall“

  1. Interessant zu wissen, daß die Reichenhaller Nazikaserne auch noch nach einem Judenmörder benannt wurde…hoffentlich wird der Standort planiert…

  2. Ich kann nicht verstehen… das es diese Kaserne unter diesem Namen überhaupt noch gibt… und wenn drüber nachdenkt… wie diese Kaserne wirbt…. ( rabatz-buendnis.org/2011/06/skandal-beim-tag-der-offenen-tuer-in-bad-reichenhaller-bundeswehrkaserne/ – 18k – ) bin ich auch dafür diesen Ort der Schande und des Blutes platt zu walzen… und die Verantwortlichen vor Gericht zu stellen…. !!!

    1. Platt walzen muss nicht unbedingt sein. Die Räume würden sich für ein kritisches Dokumentationszentrum zum Wirken der Gebirgstruppe im Nationalsozialismus eignen.

  3. Als guten Einstieg in das Thema sollten alle Gebirgsjäger dieses Buch lesen:
    Blutiges Edelweiß. Die 1. Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg
    Dieses gewichtige Buch ist ein Ereignis! Denn Hermann Frank Meyer bringt die Lügengebäude, die die kriegsnostalgischen Gebirgsjäger (»Kameraden unter“m Edelweiß«) errichtet hatten, zum Einstürzen. Deren Kult um zeitlose soldatische Tugenden, um kriegerische Tüchtigkeit und siegreichen Kampf ist nun zu Ende. Das Edelweiß ist nicht mehr Symbol »besten deutschen Soldatentums in Frieden und im Krieg«. Diese Blume der Berge ist beschmiert mit braunen Flecken und mit dem Blut bestialischer Kriegsverbrechen.

    Mit seiner detaillierten, akribischen sowie umfassenden Darstellung der Geschichte der 1. Gebirgs-Division legt Meyer sein »opus magnum«, ja sein Lebenswerk vor. Denn zwanzig Jahre lang sichtete und studierte er Akten und Dokumente, er las die nostalgische, teils den Krieg verherrlichende Erinnerungsliteratur ehemaliger Gebirgsjäger. Seine Forschungsreisen führten ihn in über zehn Länder. Er suchte über 200 Dörfer in Albanien und Griechenland auf, um Zeitzeugen zu befragen. Oft war er dort der erste Deutsche nach dem Zweiten Weltkrieg, der aufrichtiges Interesse und tief empfunden Abscheu für die Gräueltaten der Gebirgsjäger zeigte.

    Meyer nennt die Täter beim Namen. Sein Werk ist auch eine Biografie des Generals der Gebirgstruppe Hubert Lanz (1896 bis 1982), dem zeitweiligen Kommandeur der Edelweiß-Division, der schon früh in den Bann des verbrecherischen NS-Regimes geriet. Als Lanz im August 1982 zu Grabe getragen wurde, hob ein aktiver General der Bundeswehr hervor, dass »General Lanz für alle Gebirgsjäger, auch für die Bundeswehr, ein Vorbild war und bleiben wird«. Indes: Als die Wehrmacht die Sowjetunion überfallen hatte, da lautete Lanz‘ Tagesbefehl: »Die 1. Gebirgs-Division holt den Teufel aus der Hölle. Der Teufel steht vor uns! Wir werden ihn vernichten! Es lebe das Edelweiß! Heil dem Führer!« Und wer das Kapitel »Die Gebirgsjäger und das Juden-Pogrom von Lemberg (Juni 1941)« liest, schaut in die Abgründe von Mord, Krieg und Vernichtung: »Viele waren durch Genickschuß getötet worden, andere fand man erschlagen, missbraucht, auf schlimmste Weise misshandelt und verstümmelt: an die Wand und auf den Boden genagelte Kinder und Priester, Frauen mit abgeschnittenen Brüsten und Zungen, an Fleischerhaken aufgehängte Kinder, entmannte und skalpierte Männer, deren Geschlechtsteile man in Zeitungspapier eingewickelt in deren Hosentaschen fand, aufgeschnittene Frauenleiber ‚ aus einem ragte der Kopf eines Kindes ‚ , mit Zwirn zugenähte Münder, ausgestochene Augen.« Bataillonskommandeur Josef Salminger aus Mittenwald nutzte dieses NKWD-Pogrom, um seine Gebirgsjäger auf den Kampf gegen die »jüdisch-bolschewistische Verbrecherbande« einzuschwören. Bis März 1943 hinterließ die 1. Gebirgs-Division eine Blutspur im Krieg gegen die Sowjetunion; ab Juni 1943 wütete die Edelweiß-Division in Griechenland und auf dem Balkan.

    Autor Meyer berichtet, wie die Gier der Kommandeure nach dem Ritterkreuz, wie deren selbstherrlicher und hemmungsloser Ehrgeiz die jungen Soldaten in Tod und Verderben hetzte. Nach dem Krieg nährte Lanz die Legende, das Wohlergehen seiner Soldaten sei ihm oberstes Gebot gewesen, tatsächlich war er getrieben von Ruhmsucht und seiner Gier nach Beförderungen. Im Januar 1943 hatte Adolf Hitler General Lanz zum Befehlshaber einer Armee-Abteilung ernannt. Sein Auftrag war der Kampf um Charkow im Februar 1943. Als Lanz 1947 im Nürnberger Nachfolgeprozess zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden war, wurde die Legende von dem Widerstandskämpfer Hubert Lanz lanciert. Autor Meyer zeigt die Entstehung dieser Geschichte auf: Lanz hatte in einer strategisch ausweglosen Lage seinen Unmut über den »Führer« und das Nazi-Regime geäußert.

    Lanz war kein Widerstandskämpfer, sondern ein Kriegsverbrecher, der die truppendienstliche Verantwortung für den Massenmord von Kefalonia (September 1943) trägt. Schritt für Schritt schildert Autor Meyer den Ablauf dieses Blutbades, das an italienischen Soldaten verübt wurde. Angesichts von Spekulationen und Manipulationen der Opferzahlen kann der Leser Meyers akribische Berechungen nachvollziehen.

    Bereits am 16. August 1943 hatte das Regiment 98, das von dem berüchtigten Oberstleutnant Josef Salminger geführt wurde, das Massaker von Kommeno begangen. Nach dem Krieg gab ein beteiligter Gebirgsjäger in einer eidesstattlichen Aussage zu Protokoll: »Was mich furchtbar abgestoßen hat, das war, daß einige Angehörige der 12. Kompanie sich in schändlicher Weise an den Leichen zu schaffen machten. So habe ich selbst gesehen, wie einige Soldaten den weiblichen Leichen Bierflaschen in den Geschlechtsteil einführten. Ich glaube, ich habe auch Leichen gesehen, denen die Augen ausgestochen waren.« Auf ihrem Mordzug durch das Dorf Kommeno waren die Gebirgsjäger auf eine Hochzeitsgesellschaft gestoßen. Am nächsten Tag wurde die tote Braut im blutverschmierten Kleid gefunden, daneben ihr toter Ehemann, Hochzeitsgäste und viele Kinder.

    Hermann Frank Meyer nennt, wie gesagt, die Täter beim Namen. Er führt auch die Offiziere auf, die nach dem Krieg in der Bundeswehr Karriere machten. So Karl Wilhelm Thilo, der in Griechenland und Montenegro die Erschießung mutmaßlicher Partisanen verfügt hatte. Am Ende seiner Bundeswehrlaufbahn befehligte er als Dreisternegeneral das II. Korps in Ulm. Kein Wunder, dass ausgerechnet Thilo eine grundsätzliche Stellungnahme zum Traditionsverständnis der Bundeswehr formulierte: Es sei »Ehrabschneiderei«, daß die außergewöhnlichen Leistungen der Gebirgsjäger nicht anerkannt würden. Auch die »außergewöhnlichen Leistungen« von Josef Salminger (1903 bis 1943) finden nur noch materielle Anerkennung: Hermann Salminger, Bürgermeister von Mittenwald, und sein Bruder Helmuth, ließen die Orden, Briefe und das Fotoalbum des Vaters im Jahre 2006 versteigern und erzielten dafür 35000 Euro. Zum historischen Kontext: Nachdem Oberstleutnant Salminger am 1. Oktober 1943 von griechischen Partisanen getötet worden war, diktierte General Lanz diesen Tagesbefehl: »Ich erwarte, dass die 1. Gebirgs-Division diesen ruchlosen Banditenmord an einem unserer besten Kommandeure in einer schonungslosen Vergeltungsaktion in 20 km der Mordstelle rächen wird.«

    Selbst einem akribischen Perfektionisten wie Meyer unterlaufen Flüchtigkeitsfehler. So wird Minister Georg Leber umgetauft zum (Widerstandskämpfer) Julius Leber; Generalleutnant Thilo wird degradiert zum Generalmajor; Josef Remold machte nicht nur Karriere bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei, bis 1962 war er sogar deren erster Präsident.

    Es gibt freilich nur einen einzigen echten Mangel an dem Werk »Blutiges Edelweiß« zu beklagen: Es erscheint zwanzig Jahre zu spät. Wäre dieses Opus magnum bereits Ende der 80er Jahre erschienen, dann wäre schon damals das Ende der Traditionslüge und der falschen Glorie bei den »Kameraden unter“m Edelweiß« eingeläutet worden.

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