Edelweiß statt Hakenkreuz

„Bad Reichenhall ist »irgendwie anders« – Gebirgsjäger folgen einem Nazi-General und schießen auf »Klein Mitrovica«“ so beginnt ein ausführliche Reportage von René Heilig welcher heute (21.06.11) im ND erschien. [den ganzen Artikel lesen]

Unter „Presseberichte“ findet ihr auf unserer Homepage übrigens eine Auflistung mit über 100 Berichten aus den unterschiedlichsten Medien im Zusammenhang mit dem Reichenhaller Bundeswehrskandal und rechter Traditionspflege in Bad Reichenhall. Aufgrund der unzähligen Berichte in den Medien ist es uns leider nicht möglich einen vollständigen Pressespiegel zu erstellen.

Auch Name der Kaserne ist skandalös

Am 10.Juni 1964 verstarb der Nazi-General Rudolf Konrad in München Anlässlich seines 47. Todestages kritisiert das RABATZ-Bündnis abermals die „Skandalkaserne“ von Bad Reichenhall, die nach dem „Schlächter von der Krim“ benannt ist.

Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten Gebirgsjäger­Regiments 100. Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren“¹. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte er: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück.“

Konrad war außerdem bei der Gründung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnet, beteiligt. Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“ 1966, praktisch zum 25. Jahrestag des Überfalls auf Kreta, wurde die Bundeswehr­Kaserne in Bad Reichenhall nach ihm benannt.

Mit einem Nazigeneral als Namenspatron scheint inzwischen sogar die Bundesregierung unzufrieden. Auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter teilt diese mit, dass sie die Kasernennamen „heute in einigen Fällen anders bewertet als zu der Zeit, als eine Kaserne nach dieser Person benannt worden ist. Dies gilt auch für den Namensgeber der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall².“ Allerdings würden derzeit Entscheidungen über Namensänderungen „auf Grund der noch offenen Stationierungsfragen nicht getroffen³“.

Neben der Namensgebung hält das RABATZ-Bündnis auch die Außengestaltung der Fassade für skandalös. Ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde im Eingangsbereich wurde bis heute nicht entfernt. Kritisiert wird außerdem der darunter prangende steinerne Reichsadler: Das Hakenkreuz in seinen Klauen wurde lediglich durch ein Edelweiß ersetzt.

Für Anna Jade, die Pressesprecherin des RABATZ-Bündnisses ist der „Klein-Mitrovica-Skandal“ keine einmalige „Geschmacklosigkeit“, sondern nur „die Spitze des Eisbergs“. In Bad Reichenhall werde kontinuierlich NS-verherrlichende Geschichtspolitik betrieben. Das RABATZ-Bündnis bekräftigt deshalb seine Forderung nach der Schließung der Reichenhaller Kaserne und einer Auflösung der Gebirgstruppe.


¹ Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.
² Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (Drs. 17/5747) vom 18.05.2011, S. 1
³ Ebd.

Update: Der mustergültige Nazi-General Konrad als Kasernenpatron von Reichenhall (Dokumentation der Pressemitteilung der „Initiative gegen falsche Glorie“ auch vom 10.06.11: Auch Name der Kaserne ist skandalös weiterlesen

Kinder an Waffen kein Einzelfall bei der Gebirgstruppe

RABATZ: „militaristische Werbung gegenüber Kindern und Jugendlichen ist kein Einzelfall“
– Fotos zeigen: Kinder hatten bereits 2009 Zugang zu realistisch anmutenden Waffen (beim Tag der offenen Tür in Brannenburger Kaserne am 11.07.2009)
– Fotos zeigen: Kind an Panzerabwehrwaffe (beim Tag der offenen Tür der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall am 28.5.2011)
– Aufgetauchtes Video zeigt Kinder mit Handfeuerwaffen an Bundeswehrstand (beim Tag der offenen Tür der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall)
– RABATZ-Bündnis fordert Auflösung der Gebirgstruppe

Mit ihrem Tag der offenen Tür haben die Reichenhaller Gebirgsjäger einen bundesweiten Skandal ausgelöst. Nun zeigen neue Bilder, dass der aktuelle Skandal kein Einzelfall ist. Auf ihnen ist zu sehen, wie ein Kind an einem schweren Geschütz liegt. Schon damals ließen Bundeswehr-Gebirgspioniere Kinder mit Waffen spielen. Kinder an Waffen kein Einzelfall bei der Gebirgstruppe weiterlesen

Staatsanwaltschaft ermittelt – außenpolitische Ebene erreicht

Laut dem Münchner Merkur (07.06.11) hat am Montag  die Staatsanwaltschaft Traunstein die Ermittlungen in dem vom RABATZ-Bündnis aufgedeckten  Reichenhaller „Klein-Mitrovica-Skandal“ übernommen.  Andreas Miller, Sprecher der Staatsanwaltschaft Traunstein wird dort mit den Worten „Wir gehen dem Verdacht der Volksverhetzung und dem Verstoß gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz nach“ zitiert. Ausserdem hat der Skandal inzwischen die außenpolitische Ebene erreicht. Die kosovarischen Botschaft in Berlin  hat bereits am Wochenende ihren Außenminister über die Vorfälle in Bad Reichenhall informiert. Vilson Mirdita, der Botschafter des Kosovo, sagte dem Münchner Merkur: „Der kosovarische Außenminister wird bei seinem Besuch am Donnerstag in Berlin auch den Vorfall in der Bad Reichenhaller Kaserne ansprechen.“

erste Reaktionen zum Reichenhaller „Klein-Mitrovica-Skandal“

Nachdem das Rabatz-Bündnis gestern auf den „Klein-Mitrovica-Skandal“ beim Tag der offenen Tür der General-Konrad-Kaserne Bad Reichenhall öffentlich gemacht hat, reagierte die Bundestagsfraktion DIE LINKE umgehend und hat bereits eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung formuliert. Die innenpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE Ulla Jelpke erklärte: „Die Bundeswehr schlägt bei ihrer Nachwuchswerbung nicht nur die Grenzen des guten Geschmacks, sondern sie tritt auch Kinderrechte mit Füßen“ und forderte die Bundesregierung auf, diese ungeheuerliche Entgleisung in Bad Reichenhall umgehend zu sanktionieren.

Laut Medienberichten hat die Bundeswehr noch am Freitag eine mehrköpfige Untersuchungskommission eingesetzt. Die bundesweite Medienlandschaft berichtet seitdem über den Skandal aus der Bad Reichenhaller Kaserne. Egal ob N-TV oder erste Reaktionen zum Reichenhaller „Klein-Mitrovica-Skandal“ weiterlesen

Skandal beim Tag der offenen Tür in Bad Reichenhaller Bundeswehrkaserne



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Beim Tag der offenen Tür in der Bad Reichenhaller General-Konrad-Kaserne hatte die Bundeswehr als „Kinderprogramm“ das Modell einer offensichtlich durch Krieg zerstörten Stadt aufgebaut. Ruinen und kleine Brandherde bestimmten die Szenerie. Zwei Bundeswehrsoldaten ließen unter einem Tarnnetz Kinder mit Waffennachbauten auf die Miniaturstadt schießen. Die Bundeswehr hatte ein Miniatur-Ortsschild für diese Stadt gebastelt: „Klein-Mitrovica“.

Bundeswehr verherrlicht Pogrome

Die im Kosovo gelegene Stadt Mitrovica erlangte traurige Berühmtheit, als dort 1999 trotz Anwesenheit der KFOR albanische Nationalisten das gesamte Roma-Viertel des Ortes plünderten und zerstörten. Mehrere tausend Häuser wurden dabei zerstört, ca. 8000 Roma wurden aus dem Ort vertrieben¹.

2004 wurden bei Anti-Serbischen Pogrome, die von Mitrovica ausgingen, viele Häuser und Einrichtungen der serbischen Bevölkerung zerstört, im ganzen Kosovo gab es viele Tote und hunderte zerstörte Häuser².

Im Zuge der Besatzung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg waren in Mitrovica ab April 1943 Truppen der 1. Gebirgs-Division der Wehrmacht, der auch die Bad Reichenhaller Gebirgsjäger angehörten, stationiert³. Die Vorgängerorganisation der heutigen (Bundeswehr)Gebirgstruppe war dort zur „Partisanenbekämpfung“ eingesetzt. Als Teil der Truppen des nationalsozialistischen Deutschlands waren die Gebirgsjäger an zahlreichen Massakern und Kriegsverbrechen, bspw. auf Kefalonia und auf Kreta beteiligt.

Erst vorletzte Woche hatte das RABATZ-Bündnis mit einer Demonstration auf die ungebrochene Verherrlichung der Wehrmacht durch die Bundeswehr und weite Teile der Reichenhaller Bevölkerung aufmerksam gemacht. Die Antifaschist_innen kritisierten dabei v.a. das sog. „Kretagedenken“, bei dem der deutsche Angriffskrieg gegen Kreta verherrlicht wird.

Dazu erklärt Anna Jade (Sprecherin des RABATZ-Bündnis):

„Die Bundeswehr versucht, schon kleinen Kindern Spaß an Waffen und militärischer Gewalt zu vermitteln. Kindern im Rahmen des Kinderprogramms Waffen in die Hand zu geben und sie auf eine Miniaturstadt schießen zu lassen, ist ein unfassbarer Skandal. Die Bundeswehr hat die Miniaturstadt „Mitrovica“ genannt. Sie verherrlicht damit im Kinderprogramm Pogrome. Dies ist eine widerwärtige Verhöhnung der Opfer.

Wir haben in letzter Zeit mehrfach auf die Verherrlichung von Kriegsverbrechen in Bad Reichenhall aufmerksam gemacht. Durch den neuen Skandal sehen wir uns darin bestätigt, antimilitaristisch und antifaschistisch zu intervenieren. Wir fordern:

  • die sofortige Schließung der nach dem SS-General Rudolf Konrad benannten General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall
  • eine kritische Aufarbeitung der Geschichte Bad Reichenhalls und ein würdiges Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus.
  • die sofortige Beendigung der Verherrlichung des Nationalsozialismus, der Wehrmacht und der Gebirgstruppe
  • die sofortige Entschädigung der Opfer der nationalsozialistischen Gebirgstruppen und ihrer Angehörigen
  • ein dauerhaftes Bleiberecht für alle Menschen, die aus dem Kosovo nach Deutschland gekommen sind, anstatt der Bagatellisierung der antiserbischen und antiziganistischen Pogrome
  • die sofortige Beendigung von militaristischen Werbeaktionen der Bundeswehr, insbesondere gegenüber Kindern und Jugendlichen
  • den sofortigen Rücktritt der für den Tag der offenen Tür verantwortlichen Personen der Bundeswehr.“

¹ vgl. Bericht auf der Homepage des UNHCR
² Spiegel Online vom 22.3.2004 ; vgl. Chronologie der Süddeutschen Zeitung vom 15.2.2008.
³ vgl. Meyer, Hermann Frank: Blutiges Edelweiß – Die 1.Gebirgs-Division im Zweiten Weltkrieg; Berlin 2008; S. 110ff.