Auch Name der Kaserne ist skandalös

Am 10.Juni 1964 verstarb der Nazi-General Rudolf Konrad in München Anlässlich seines 47. Todestages kritisiert das RABATZ-Bündnis abermals die „Skandalkaserne“ von Bad Reichenhall, die nach dem „Schlächter von der Krim“ benannt ist.

Rudolf Konrad, war der erste Kommandeur des 1935 in Bad Reichenhall aufgestellten Gebirgsjäger­Regiments 100. Konrad bewies sich bereits im Vernichtungskrieg auf der Krim als antisemitischer Massenmörder. In diesem vom nationalsozialistischen Vernichtungswahn getriebenen Feldzug lies Konrad „ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar-Suja samt Zivilisten in Grund und Boden bombadieren“¹. Angesichts der Verbrechen der deutschen Wehrmacht und SS bekannte er: „Dem Führer gehört unsere ganze Hingabe“ und erklärte in einem Befehl von 1943: „Die Juden sind unser Unglück.“

Konrad war außerdem bei der Gründung des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, von Kritiker_innen auch als “Selbsthilfegruppe für Kriegsverbrecher” bezeichnet, beteiligt. Dort erklärte er: „Wir hoffen, dass in der neuen Schale die gleichen Männer, die alten Soldaten stecken, die einst Kraft und Ruhm des deutschen Heeres und der Stolz des deutschen Volkes waren.“ 1966, praktisch zum 25. Jahrestag des Überfalls auf Kreta, wurde die Bundeswehr­Kaserne in Bad Reichenhall nach ihm benannt.

Mit einem Nazigeneral als Namenspatron scheint inzwischen sogar die Bundesregierung unzufrieden. Auf eine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Eva Bulling-Schröter teilt diese mit, dass sie die Kasernennamen „heute in einigen Fällen anders bewertet als zu der Zeit, als eine Kaserne nach dieser Person benannt worden ist. Dies gilt auch für den Namensgeber der General-Konrad-Kaserne in Bad Reichenhall².“ Allerdings würden derzeit Entscheidungen über Namensänderungen „auf Grund der noch offenen Stationierungsfragen nicht getroffen³“.

Neben der Namensgebung hält das RABATZ-Bündnis auch die Außengestaltung der Fassade für skandalös. Ein einige Meter großes nationalsozialistisches Wandgemälde im Eingangsbereich wurde bis heute nicht entfernt. Kritisiert wird außerdem der darunter prangende steinerne Reichsadler: Das Hakenkreuz in seinen Klauen wurde lediglich durch ein Edelweiß ersetzt.

Für Anna Jade, die Pressesprecherin des RABATZ-Bündnisses ist der „Klein-Mitrovica-Skandal“ keine einmalige „Geschmacklosigkeit“, sondern nur „die Spitze des Eisbergs“. In Bad Reichenhall werde kontinuierlich NS-verherrlichende Geschichtspolitik betrieben. Das RABATZ-Bündnis bekräftigt deshalb seine Forderung nach der Schließung der Reichenhaller Kaserne und einer Auflösung der Gebirgstruppe.


¹ Jakob Knab: Falsche Glorie. Das Traditionsverständnis der Bundeswehr. Berlin 1995.
² Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke (Drs. 17/5747) vom 18.05.2011, S. 1
³ Ebd.

Update: Der mustergültige Nazi-General Konrad als Kasernenpatron von Reichenhall (Dokumentation der Pressemitteilung der „Initiative gegen falsche Glorie“ auch vom 10.06.11:

 

Mitteilung an die Presse vom 10. Juni 2011:

 

Der mustergültige Nazi-General Konrad als Kasernenpatron von Reichenhall

Wir fordern die Umbenennung der „General-Konrad-Kaserne“ zum 22. Juni 2011

 

Mit dem deutschen Überfall auf die UdSSR am 22. Juni 1941 begann ein rassistisch motivierter Eroberungs- und Vernichtungskrieg. Stets leugnete Konrad, den verbrecherischen Kommissarbefehl überhaupt erhalten, geschweige denn weitergegeben zu haben. Zum Jahresende 1941 wurde Konrad vom »Führer« in der »Wolfsschanze« empfangen. „Mit zunehmender Leidenschaft“, so erinnerte sich Konrad später, „habe ihn der Führer darauf eingeschworen, die Stellungen zu halten“.1 An der Front angelangt erteilte Konrad den Tagesbefehl: „Dem Führer und seinem Werk gehören unsere ganze Hingabe; wir wollen es hüten und siegreich tragen durch das neue Jahr zum Heile Deutschlands.“ Konrad war begeistert von den maßlosen Eroberungsplänen seines »Führers«, wenn es um die „große, kühne Aufgabe“ ging, von Nordafrika her mit Rommels siegreicher Panzer-Armee und über den Kaukasus hinweg in den vorderasiatischen Raum einzubrechen und den „Reichtum seiner Ölgebiete“ zu gewinnen.

 

Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1942 versammelte sich Konrads Korpsstab in der ostukrainischen Industriestadt Tschistjakowo zu einer Feierstunde: „Es war das Feldherrngenie des Führers“, wurde Hitler aus der Ferne angehimmelt, „welches die deutschen Heere von Sieg zu Sieg eilen ließ. Sein Verdienst war es, das Eindringen der bolschewistischen Horden nach Europa im richtigen Augenblick zu erkennen und den Stoß blitzschnell zu parieren.“ Am 1. August 1942 verlieh der »Führer« seinem treuen Gefolgsmann Konrad das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

 

General Rudolf Konrad war von der Notwendigkeit der ideologischen Gleichschaltung überzeugt; ab April 1943 wurden u.a. diese Themen der wehrgeistigen Führung vorgegeben: „Die Juden sind unser Unglück“ sowie „Kampf gegen den Weltfeind – das Judentum“. Von Ende 1941 bis Anfang 1944 war die Krim von den Deutschen besetzt. Auf der Krim wurde die „sofortige Lösung der Judenfrage“ gefordert. Partisanen machten der Truppe hier, auch im Befehlsbereich der Gruppe Konrad, seit Ende Oktober 1943 schwer zu schaffen. Konrad schlug gnadenlos zurück, ließ ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar–Suja in Grund und Boden bombardieren.

 

Der Militärhistoriker H.F. Meyer (1940 – 2009) kommt zu diesem Urteil über General Konrad: „Als sich der »Kameradenkreis der Gebirgstruppe« im November 1952 als Verein konstituierte, wählten die vormaligen Gebirgsjäger ausgerechnet diesen ehemaligen General zu ihrem Vorsitzenden, obwohl er Tausende ihrer Kameraden in dem von vornherein zum Scheitern verurteilten Kaukasus-Unternehmen hatte verhungern oder in die Maschinengewehrgarben der hoch überlegenen Verteidiger hatte anrennen lassen. Konrad engagierte sich in den folgenden Jahren mit großer Energie für den Aufbau der »Ortskameradschaften«, organisierte Kranzniederlegungen an den Gräbern von Kriegsverbrechern, wie zum Beispiel Alfred Jodl, hielt salbungsvolle Reden im Stil seiner Hofbräuhaus-Ansprache und brachte die professionell aufgemachte Vereinszeitschrift Die Gebirgstruppe auf den Weg. Im Laufe der Jahre wurden darin unzählige revisionistische und kriegsverherrlichende Darstellungen veröffentlicht.“2

 

Die öffentliche Ehrung des Generals Rudolf Konrad (1891 – 1964) ist ein unerträglicher Verstoß
gegen die gültigen Richtlinien zur Traditionspflege! Traditionspflege ist Geschichtspolitik!

1 Hermann Frank Meyer, Blutiges Edelweiß, Berlin 2008, S. 76f.

2 Meyer, a.a.O., S. 669.

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