Wir fordern die Umbenennung der „General-Konrad-Kaserne“ Bad Reichenhall

Heute vor 70 Jahren, am 13. April 1942, wurde Anton Schmid in Wilna hingerichtet. Wir verlinken deshalb, an dieser Stelle zu einer Pressemitteilung der Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz e.V . Außerdem dokumentieren wir im folgenden  die Pressemitteilung der Initiative gegen falsche Glorie ( Wir fordern die Umbenennung der „General-Konrad-Kaserne“ Bad Reichenhall in „Feldwebel-Schmid-Kaserne“ ) vom 3. April 2012:

Wir fordern die Umbenennung der „General-Konrad-Kaserne“ Bad Reichenhall in „Feldwebel-Schmid-Kaserne“

Vor nunmehr 70 Jahren, am 13. April 1942, wurde der Judenretter Feldwebel Anton Schmid in Litauen hingerichtet. Nur eine Woche später jubelte General Konrad über das „Feldherrngenie des Führers“. Seit Juni 1965 ist Konrad traditionswürdiges Vorbild.

Mit dem deutschen Überfall auf die UdSSR im Juni 1941 begann ein rassistisch motivierter Eroberungs- und Vernichtungskrieg. Stets leugnete Konrad, den verbrecherischen Kommissarbefehl überhaupt erhalten, geschweige denn weitergegeben zu haben. Zu Jahresbeginn 1942 erteilte Konrad diesen Tagesbefehl: „Dem Führer und seinem Werk gehören unsere ganze Hingabe; wir wollen es hüten und siegreich tragen durch das neue Jahr zum Heile Deutschlands.“ Konrad war begeistert von den maßlosen Eroberungsplänen seines »Führers«, wenn es um die „große, kühne Aufgabe“ ging, von Nordafrika her mit Rommels siegreicher Panzer-Armee und über den Kaukasus hinweg in den vorderasiatischen Raum einzubrechen und den „Reichtum seiner Ölgebiete“ zu gewinnen.

Zu Hitlers Geburtstag am 20. April 1942 versammelte sich Konrads Korpsstab in der ostukrainischen Industriestadt Tschistjakowo zu einer Feierstunde: „Es war das Feldherrngenie des Führers“, wurde Hitler aus der Ferne angehimmelt, „welches die deutschen Heere von Sieg zu Sieg eilen ließ. Sein Verdienst war es, das Eindringen der bolschewistischen Horden nach Europa im richtigen Augenblick zu erkennen und den Stoß blitzschnell zu parieren.“ Am 1. August 1942 verlieh der »Führer« seinem treuen Gefolgsmann Konrad das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

General Rudolf Konrad war von der Notwendigkeit der ideologischen Gleichschaltung überzeugt; ab April 1943 wurden u.a. diese Themen der wehrgeistigen Führung vorgegeben: „Die Juden sind unser Unglück“ sowie „Kampf gegen den Weltfeind – das Judentum“. Von Ende 1941 bis Anfang 1944 war die Krim von den Deutschen besetzt. Auf der Krim wurde die „sofortige Lösung der Judenfrage“ gefordert. Partisanen machten der Truppe hier, auch im Befehlsbereich der Gruppe Konrad, seit Ende Oktober 1943 schwer zu schaffen. Konrad schlug gnadenlos zurück, ließ ganze Ortschaften südlich der Linie Karassubasar–Suja in Grund und Boden bombardieren.

Der Militärhistoriker Hermann Frank Meyer kommt zu diesem Urteil über den traditionswürdigen General Konrad: „Als sich der »Kameradenkreis der Gebirgstruppe« im November 1952 als Verein konstituierte, wählten die vormaligen Gebirgsjäger ausgerechnet diesen ehemaligen General zu ihrem Vorsitzenden, obwohl er Tausende ihrer Kameraden in dem von vornherein zum Scheitern verurteilten Kaukasus-Unternehmen hatte verhungern oder indie Maschinengewehrgarben der hoch überlegenen Verteidiger hatte anrennen lassen.“

In der Meldung des Armee-Oberkommandos 17 vom 9. Oktober 1943 werden auch der General der Gebirgstruppe Konrad und die Kämpfe um Noworossisk erwähnt. Konrads Gegenspieler auf sowjetischer Seite war Oberst Leonid Breschnew. Bei der Eroberung dieser Hafenstadt am Schwarzen Meer wurden die zurückgebliebenen Einwohner mit Benzin übergossen und mit Flammenwerfern grausam getötet. Die interessierte Öffentlichkeit will wissen, zu welchen Ergebnissen die Konrad-Studie des MGFA Potsdam kommt.

Traditionspflege ist Geschichtspolitik! Ein Unrechtsregime, wie das Dritte Reich, kann Tradition nicht begründen!

Anton Schmid wurde am 9. Januar 1900 in Wien geboren. Als Beobachterin des Eichmann-Prozesses (Jerusalem, 1961) berichtete die jüdische Philosophin Hannah Arendt (1906 –1975) über die Geschichte der Rettungstaten des ehemaligen Feldwebels der Wehrmacht Anton Schmid. In ihrem Buch Eichmann in Jerusalem. Ein Bericht von der Banalität des Bösen schreibt sie über die Zeugenaussage von Abba Kovner, dem ehemaligen Kommandeur einer jüdischen Partisanentruppe im Raum Wilna in Litauen: „Während der wenigen Minuten, die Kovner brauchte, um über die Hilfe eines deutschen Feldwebels zu erzählen, lag Stille über dem Gerichtssaal; es war, als habe die Menge spontan beschlossen, die üblichen zwei Minuten des Schweigens zu Ehren des Mannes Anton Schmid einzuhalten. Und in diesen zwei Minuten, die wie ein plötzlicher Lichtstrahl inmitten dichter, undurchdringlicher Finsternis waren, zeichnete ein einziger Gedanke sich ab, klar, unwiderlegbar, unbezweifelbar: wie vollkommen anders alles heute wäre, in diesem Gerichtssaal, in Israel, in Deutschland, in ganz Europa, vielleicht in allen Ländern der Welt, wenn es mehr solche Geschichten zu erzählen gäbe.”

Dies ist seine Geschichte: „Als Feldwebel der Wehrmacht hat er sich in den Jahren 1941/42 einen fast legendären Ruf im Wilnaer Ghetto erworben. Er leitete eine Versprengtensammelstelle für deutsche Soldaten. Er wurde Augenzeuge von widerwärtigen Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung, er entschloss sich, aus eigenem Antrieb zu helfen. Unter großem persönlichem Risiko versorgte er die Bewohner des Ghettos mit Lebensmitteln, verhalf Menschen zur Flucht und rettete nach den Aufzeichnungen der israelischen Erinnerungsstätte Yad Vashem durch sein mutiges und selbstloses Eingreifen mehr als 250 jüdischen Menschen das Leben, jedenfalls für eine Zeit. Für sein Handeln wurde er zum Tode verurteilt und am 13. April 1942 in Wilna hingerichtet.“

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Zum 70. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion hatte sich BrigGen Langenegger zu den schuldhaften Verstrickungen des Kasernenpatrons Konrad so geäußert: „Und offensichtlich war die Zeit bis dato nicht gegeben, um den Kasernennamen zu ändern.“ (General Johann Langenegger, Abendschau, 22. Juni 2011). Nun ist die Zeit gekommen, den historisch belasteten Kasernennamen zu ändern. Wir schweigen nicht!

Wir lassen General Langenegger keine Ruhe! Wir sind sein böses Gewissen!