Antifaschistisches Hearing und Demonstration

2016 jährt sich der Überfall der Wehrmacht auf die griechische Insel Kreta zum 75.Mal. Das rabatz Bündnis nimmt dies zum Anlass in Bad Reichenhall, einem Ort von dem Kriegsverbrechen ausgegangen sind, am Samstag, 14. Mai ein Hearing und eine Demonstration mit Zeitzeug*innen und Expert*innen durchzuführen.

Ab 20.Mai 1941 beginnen Fallschirm- und Gebirgsjäger* der Wehrmacht die Insel Kreta anzugreifen und zu besetzen. Sie treffen dabei unerwartet auf erbitterten Widerstand der Zivilbevölkerung. Bereits am 23.Mai beginnen Einheiten der Gebirgstruppe mit der Anwendung des „Axioms der Kollektivhaftung der Bevölkerung“: Sie brennen Dörfer nieder und erschießen wahllos vorwiegend männliche* Zivilist*innen. Gebirgsjägern* aus Bad Reichenhall kann dabei das Massaker von Skines nachgewiesen werden.
In der oberbayerischen Kurstadt wird indes jedes Jahr von Seiten des Kameradenkreises der Gebirgstruppe unter Beteiligung von Vertreter*innen der Stadt und der ortsansässigen Bundeswehr der Täter* gedacht. Aber auch ansonsten ist die Besetzung Griechenlands keineswegs aufgearbeitet: Die Bundesrepublik Deutschland weigert sich als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reichs bis heute für diese und andere Kriegsverbrechen in Griechenland Reparationen zu bezahlen.

„NS-Verbrechen benennen – Opfer entschädigen – Rechte Traditionspflege angreifen“ lautet entsprechend der Untertitel eines Aktonstages in Bad Reichenhall. Als Gäste zu dem Hearing unter dem Motto „Die Verbrechen der Gebirgsjäger* auf Kreta“ sind Nikolaos Marinakis (Skines, GRE), Aristomenis Syngelakis (Athen, GRE), Martin Klingner (Hamburg), Ralph Klein (NRW) eingeladen. Der heute 92-jährige Nikolaos Marinakis überlebte das Massaker von Skines. Klingner ist aktiv beim Arbeitskreis Distomo und vertritt als Rechtsanwalt die Geschädigten juristisch. Er arbeitet eng mit Aristomenis Syngelakis vom Nationalrat für die Entschädigungsforderungen Griechenlands zusammen. Abgerundet wird das Podium durch den Historiker Ralph Klein einem Mitherausgeber des Buches „Mörder unterm Edelweiß“.

Das Hearing ist eine Veranstaltung in Kooperation mit mehreren Stiftungen, darunter der Kurt-Eisner-Verein, die Rosa Luxemburg Stiftung, die Petra-Kelly-Stiftung und die Stiftung Erinnerung Verantwortung Zukunft (EVZ). Weiter werden Mittel des Hans-Frankenthal-Preises der Stiftung Auschwitz-Kommitee sowie Mittel aus dem Solidaritätsfonds der Hans-Böckler-Stiftung verwendet.
Das Hearing beginnt um 11.00 Uhr im Kurgastzentrum Reichenhall. Im Anschluss werden die Teilnehmenden zusammen mit Nikolaos Marinakis im Rahmen einer Demonstration unter dem Motto „Euer Verdrängen kotzt uns an“ über die so genannte Kreta-Brücke zu dem Kreta-Gedenkstein nahe der Hochstaufen-Kaserne ziehen, von wo aus die Zerstörung seines Heimatdorfs ihren Ursprung nahm.

Die Veranstalter*innen behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien und Organisationen oder dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe angehören oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder militaristische Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren.


Hochauflösendes Bild zur freien Verwendung: Download. Das Bild zeigt eine*n Pressevertreter*in des rabatz vor dem „Kreta-Gedenkstein“ bei der „Kreta-Brücke“ in Bad Reichenhall.