Es begann bei (k)einem Schweinebraten..

»Von Mittenwald nach Bad Reichenhall« lautete der Untertitel des Aufrufs 2011. Bezugspunkt dabei war die Kampagne gegen die Brendtenfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, durchgeführt durch den Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege.

Der erste Besuch am Rand der Brendtenfeier datiert dabei auf das Jahr 2002: Beim traditionellen Schweinebratenessen wurden die anwesenden Gebirgstrüppler dazu aufgefordert, eine Schweigeminute für die Opfer ihrer Kriegsverbrechen abzuhalten. Wir dokumentieren einen Bericht aus dem Jahr 2003 zitiert nach nadir.org.
Einiges hat sich in Mittenwald seitdem geändert – zum Beispiel die Speisevorlieben: Statt Schweinebraten verzehrt die Truppe lieber rohe Leber. 2016 wird die Brendtenfeier übrigens am Freitag, 13.Mai, in Mittenwald abgehalten.

Mein Opa ist Kriegsverbrecher und wohnt in Mittenwald

Nach Presseangaben besuchte am 18. Mai 2002 eine Zahl von 56 Autonomen aus Köln in der Kneipe Postkeller das fünfzig lange Jahre ungestörte Kameradschaftstreffen der Gebirgsjäger. Ohne größere Behinderungen gelangten sie über eine Treppe und in einem kommunistischen Sinne vorbei an einem Eintrittstisch in den mit ca. 200 Gebirgsjägern, Bundeswehrsoldaten und ihren Angehörigen voll besetzten Kneipensaal.

Sie positionierten sich dicht, in einen lang gezogenen Pulk gedrängt, ungefähr in der Mitte des Saales und sorgten mit der an die Tanzkappelle gerichteten Aufforderung: “Hey, du machst jetzt mal die Musik aus!” für einen kurzen Ruhemoment. Eine Sprecherin erklärte den zunächst verblüfften Anwesenden, dass man nun hier eine Schweigeminute für die von den Gebirgsjägern in Griechenland während des Zweiten Weltkrieges massakrierten Zivilisten durchführen werde. Die Orte dieser Massenverbrechen waren dabei auf einer ganzen Reihe von mitgebrachten Schildern gut sichtbar aufgeführt. Die Angesprochen verstanden den Sinn dieser Ansprache sofort, und wussten genau, wer und was gemeint war. So dauerte es noch nicht einmal 30 Sekunden, bis sie anfingen zu brüllen, rabiat und handgreiflich zu werden. Im Nu verwandelte ihre direkte Reaktion den Veranstaltungssaal des Postkellers in einen Hexenkessel. Ziemlich schnell gelang es ihnen, von einem für den Raum zu grossen Megaphon das Kabel zum Mikrophon abzureißen. Glücklicherweise konnte ein Genosse von einem Tisch aufrecht stehend mit einem zweiten erheblich besser handhabbaren Megaphon dafür sorgen, die brüllenden Kneipeninsassen über das legitime Anliegen dieses Besuches zu unterrichten: “Komeno, Distomo – Edelweiß – Totenweiß“ ; “Gebirgsjäger – Totenjäger”. Die vom Rhein angereisten Genossinnen scheinen auf die wutentbrannt vorgetragenen tatkräftigen Zugriffe der Gebirgsjäger nicht ganz unvorbereitet gewesen zu sein. Es muss allen klar gewesen sein, dass sie in einer bayrischen Kneipe mit einer ganz anderen Form der körperlichen Gewalt konfrontiert sein würden, als bei einem Polizeieinsatz. So sorgten sie dicht aneinander gedrängt mit direkt in Gebirgsjägergesichter geschriene aggressive Flüche für einen ersten gewissen körperlichen Abstand. Wurden die Genossinnen doch von den Gebirgsjägern angelangt, so sorgten alle umstehenden in Form direkter Zugriffe, mit denen zuweilen sechs bis zehn Hände die Angreifer packten und zurück stießen, sofort für eine unmissverständliche Abwehr derartiger Übergriffe. Vorbildlich hier die Aktion eines Genossen, der einem drohend gestikulierenden Gebirgsjägeropa durch die kurzerhand durchgeführte Entfernung des Tirolerhutes vom Kopf Schach Matt setzte. Während die prügelwilligen Gebirgsjäger in den für Momente hasserfüllten Auseinandersetzungen im Postkeller auch in einem subjektiven Sinne in kaum gehemmten Formen der Gewalttätigkeit agieren konnten, galt für die Genossinnen ultimativ, alles zu vermeiden, dass ein Gebirgsjäger sichtbar für alle anderen getroffen dort zu Boden ging. Das hätte unter Umständen zu einer Eskalation des ganzen Ge­schehens mit unabsehbaren Folgen für alle Beteiligten geführt. Ein paar lange intensive Minuten nutzten die Genossinnen die Gelegenheit, ihren tiefen Unwillen und ihre reflektierte Wut auf die Gebirgsjäger herab zu schütten, bevor sie langsam den Veranstalt­ungssaal der Kneipe ohne Hektik wieder verließen. Während des Abzuges der Genossinnen nutzen noch ein paar anwesende kampfsportgeübte Bundeswehrsoldaten die Gelegenheit, um diesen im Vorbeigehen und ohne von außen erkennbarer Aggressivität direkt und von anderem kaum zu bemerken gezielt ins Gesicht zu schlagen. Nach dem erfolgreichen Verlassen der Kneipe verschwanden die Genossinnen über ein paar Ho-Chi-Minh-Pfade Mittenwald so unerkannt wie sie überraschend von irgendwoher aufgetaucht waren. (…)