Archiv der Kategorie: Pressemitteilung

Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall

»Es sollte klar geworden sein, dass die Kreta-Feier eine unverhohlene Verherrlichung des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges gegen die Bevölkerung ist. Wir können uns nach diesem Wochenende nicht vorstellen, dass in Bad Reichenhall außer dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe noch jemand daran festhalten möchte.«
Anna Jade, Pressesprecherin des rabatz bündnisses

Ein eindrucksvolles Hearing und eine gelungene Demonstration in Bad Reichenhall am Samstag setzen ein nicht zu übersehendes Zeichen für ein Ende der Kreta-Feierlichkeiten. Das rabatz bündnis zieht trotz Polizeiprovokationen ein positives Fazit und erhofft sich neuen Schwung für die Debatte um Entschädigung für die Kriegsverbrechen der Wehrmacht.

Das Hearing begann mit einem historischen Vortrag, der Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgsjäger auf Kreta sowie an anderen Orten darlegte und sich kritisch mit der jährlichen Kreta-Feier auseinandersetzte. Der 92-jährige Zeitzeuge Nikolaos Marinakis schilderte grausame Details von der Ermordung von 148 Einwohner*innen Skines am 1.August 1941, die nachweislich durch das Gebirgsjägerregiment 100 aus Reichenhall erfolgte. Angesichts der Zerstörungen, die die Wehrmacht in Kreta und Griechenland anrichtete, stellte er unter großem Applaus hinsichtlich der von Deutschland verordneten Austeritätspolitik die Frage: Wer schuldet hier eigentlich wem? Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall weiterlesen

Antifaschistisches Hearing und Demonstration

2016 jährt sich der Überfall der Wehrmacht auf die griechische Insel Kreta zum 75.Mal. Das rabatz Bündnis nimmt dies zum Anlass in Bad Reichenhall, einem Ort von dem Kriegsverbrechen ausgegangen sind, am Samstag, 14. Mai ein Hearing und eine Demonstration mit Zeitzeug*innen und Expert*innen durchzuführen.

Ab 20.Mai 1941 beginnen Fallschirm- und Gebirgsjäger* der Wehrmacht die Insel Kreta anzugreifen und zu besetzen. Sie treffen dabei unerwartet auf erbitterten Widerstand der Zivilbevölkerung. Bereits am 23.Mai beginnen Einheiten der Gebirgstruppe mit der Anwendung des „Axioms der Kollektivhaftung der Bevölkerung“: Sie brennen Dörfer nieder und erschießen wahllos vorwiegend männliche* Zivilist*innen. Gebirgsjägern* aus Bad Reichenhall kann dabei das Massaker von Skines nachgewiesen werden.
In der oberbayerischen Kurstadt wird indes jedes Jahr von Seiten des Kameradenkreises der Gebirgstruppe unter Beteiligung von Vertreter*innen der Stadt und der ortsansässigen Bundeswehr der Täter* gedacht. Aber auch ansonsten ist die Besetzung Griechenlands keineswegs aufgearbeitet: Die Bundesrepublik Deutschland weigert sich als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reichs bis heute für diese und andere Kriegsverbrechen in Griechenland Reparationen zu bezahlen. Antifaschistisches Hearing und Demonstration weiterlesen

infogruppe/Rabatz wird mit dem Hans-Frankenthal-Preis ausgezeichnet!

Die Stiftung Auschwitz-Komitee ehrt in diesem Jahr drei Initiativen mit dem Hans-Frankenthal-Preis: die slowenische “Vereinigung der Okkupationsopfer 1941-45″ (ZŽO), die “infogruppe rosenheim” gemeinsam mit “rabatz – autonome vernetzung Oberbayern/Salzburg/Tirol” sowie die Initiative “NSU-Watch”.

Die ausgezeichneten Gruppen leisteten alle “in hervorragender Weise Aufklärungs- und Bildungsarbeit gegen das Vergessen und gegen nationalsozialistische und neofaschistische Bestrebungen”, so die Stiftung Ausschwitz-Komitee. Die Preisverleihung findet am 16. Oktober im Lichthof der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg statt.

Mit der *“Vereinigung der Okkupationsopfer” (“ZDRUŽENJE ŽRTEV OKUPATORJEV 1941-1945″, ZŽO)* aus Kranj in Slowenien (www.zdruzenje-zrtev.si <http://www.zdruzenje-zrtev.si>, Infos auf Slowenisch und Deutsch) wird, so die Stiftung Auschwitz-Komitee, eine Gruppe von überlebenden NS-Verfolgten gewürdigt, “deren überfällige Anerkennung als entschädigungsberechtigte Opfer des Besatzungsregimes während des Zweiten Weltkriegs durch die Bundesrepublik Deutschland noch immer aussteht”.

Die *“infogruppe rosenheim”* und das *Bündnis “rabatz – autonome vernetzung Oberbayern/Salzburg/Tirol”* werden für ihr kontinuierliches Engagement gegen geschichtsrevisionistisches Kriegsgedenken im Raum Oberbayern ausgezeichnet, z.B. mit der antimilitaristischen Kampagne in Bad Reichenhall (www.badreichenhall.tk <http://www.badreichenhall.tk>). Diese richtet sich unter anderem gegen die Traditionspflege der Bundeswehr-Gebirgsjäger in Bad Reichenhall, “bei der die toten Wehrmachts-’Kameraden’ geehrt, der verbrecherische Charakter des Zweiten Weltkrieges und die Verbrechen der Wehrmacht jedoch beschwiegen werden” (Zitat Stiftung Auschwitz-Komitee). Die Ehrung der Antifaschist_innen ist eine Ohrfeige für das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz. Der Inlandsgeheimdienst führt die “infogruppe rosenheim” und das autonome rabatz-Bündnis auf seiner Website “Bayern gegen Linksextremismus” auf und versucht damit, deren (nun preisgekrönte) antifaschistische Arbeit zu diskreditieren.

*NSU-Watch*, (www.nsu-watch.info <http://www.nsu-watch.info>), der bundesweite Zusammenschluss von Recherchegruppen (u. a. dem a.i.d.a.-Archiv aus München) und antifaschistischen Initiativen, dokumentiert “detailliert (auf Deutsch und Türkisch) den Münchner Prozess zu den rassistischen Morden des NSU, recherchiert über deren Hintergründe und stellt zahlreiche Informationen über Aspekte zur Verfügung, die in den ‘großen’ Medien kaum oder gar nicht vorkommen”, schreibt die Stiftung Auschwitz-Komitee.

*Hans Frankenthal*, geboren 1926 in Schmallenberg Sauerland, wurde zusammen mit seiner Familie 1943 nach Auschwitz deportiert. Seine Eltern wurden ermordet. Hans und sein Bruder Ernst überlebten die Zwangsarbeit im Lager Monowitz und das Konzentrationslager Mittelbau-Dora und wurden schließlich 1945 in Theresienstadt befreit. Nach ihrer Rückkehr nach Schmallenberg betrieb der Autor eine Metzgerei und arbeitete als Viehhändler. Er war im Landesverband der Jüdischen Gemeinden Westfalen-Lippe, als Mitglied des Zentralrates der Juden in Deutschland und als stellvertretender Vorsitzender des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik tätig. Hans Frankenthal starb am 22. Dezember 1999 in Dortmund. Er wurde auf dem jüdischen Friedhof in Hagen-Eilpe begraben.

Die *Stiftung Auschwitz-Komitee* hat sich die Aufgabe gestellt, die Stimme derjenigen, welche die nationalsozialistischen Verbrechen noch selbst erlebt und überlebt haben, ihre Mahnung und ihr Vermächtnis, auch für die nachfolgenden Generationen weiterhin hörbar und sichtbar zu machen. In Erinnerung an Hans Frankenthal verleiht die Stiftung Auschwitz-Komitee seit 2010 einmal jährlich den Hans-Frankenthal-Preis. Im 25-köpfigen Stiftungsrat entscheiden NS-Verfolgte zusammen mit Autorinnen, Musiker_innen, Juristen, Historikern und weiteren Persönlichkeiten über die Preisvergabe.