Hochstaufen-Kaserne

Ein Landsergemälde und ein Reichsadler – in dessen Klauen das Hakenkreuz lediglich durch ein Edelweiß ausgetauscht wurde. „Dokumente, die untrennbar mit der Geschichte der Bad Reichenhaller Kaserne verbunden sind. Sie erinnern an das Unrechtsregime der nationalsozialistischen Diktatur und an den Missbrauch des Militärs für Eroberungs- und Vernichtungsfeldzüge.“ Der Stadtheimatpfleger Johannes Lang macht aus den Tätern der Wehrmacht Missbrauchte des „Unrechtsregime“. Dem nicht genug biegt er es auf einer Erläuterungstafel vor der Hochstaufen-Kaserne auch noch so zurecht: „Gleichzeitig mahnen die Lehren aus der Geschichte an den Stellenwert der Freiheit und der demokratischen Verfassung“. NS-Ästhetik an der Kaserne nicht trotz, sondern gerade wegen der Demokratie. In Bad Reichenhall geht offenbar alles.

hochstaufenkaserne-tafel

Lang weiß in seinen Texten auf den Tafeln zwar zu berichten, dass die Kaserne bis 2012 nach dem ehemaligen General der Wehrmacht, Rudolf Konrad, benannt war. Dass er ein glühender Antisemit, Hitler-Anhänger, Gründungsmitglied des Kameradenkreises der Gebirgstruppe und als „Schlächter von der Krim“ bekannt war, wird allerdings verschwiegen. Dass es des rabatz bündnisses und des Historikers Jakob Knab bedurfte, um das zu skandalisieren sowieso.

Dem Klischee nach ticken die Uhren im bayerischen Hinterland langsamer als im Rest der Republik. Die Alpenregion hat den Ruf des rückwärtsgewandten konservativen, wenn nicht gar reaktionären heimat-kitschig Verklärten inne. Spätestens, wenn von geschichtspoltischen Themen die Rede ist, unternehmen Ortschaften wie Bad Reichenhall offenbar so ziemlich alles, um dieses Image auch noch zu übertreffen.