Schlagwort-Archive: Historischer Nationalsozialismus

Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall

»Es sollte klar geworden sein, dass die Kreta-Feier eine unverhohlene Verherrlichung des nationalsozialistischen Vernichtungskrieges gegen die Bevölkerung ist. Wir können uns nach diesem Wochenende nicht vorstellen, dass in Bad Reichenhall außer dem Kameradenkreis der Gebirgstruppe noch jemand daran festhalten möchte.«
Anna Jade, Pressesprecherin des rabatz bündnisses

Ein eindrucksvolles Hearing und eine gelungene Demonstration in Bad Reichenhall am Samstag setzen ein nicht zu übersehendes Zeichen für ein Ende der Kreta-Feierlichkeiten. Das rabatz bündnis zieht trotz Polizeiprovokationen ein positives Fazit und erhofft sich neuen Schwung für die Debatte um Entschädigung für die Kriegsverbrechen der Wehrmacht.

Das Hearing begann mit einem historischen Vortrag, der Kriegsverbrechen der Reichenhaller Gebirgsjäger auf Kreta sowie an anderen Orten darlegte und sich kritisch mit der jährlichen Kreta-Feier auseinandersetzte. Der 92-jährige Zeitzeuge Nikolaos Marinakis schilderte grausame Details von der Ermordung von 148 Einwohner*innen Skines am 1.August 1941, die nachweislich durch das Gebirgsjägerregiment 100 aus Reichenhall erfolgte. Angesichts der Zerstörungen, die die Wehrmacht in Kreta und Griechenland anrichtete, stellte er unter großem Applaus hinsichtlich der von Deutschland verordneten Austeritätspolitik die Frage: Wer schuldet hier eigentlich wem? Nicht zu überhöhrende Forderung nach Ende der Kreta-Feier in Reichenhall weiterlesen

Bewegt sich Bad Reichenhall?

Am kommenden Samstag wird zum ersten Mal ein Geschädigter der Reichenhaller Gebirgsjäger in der oberbayerischen Kurstadt öffentlich zu Wort kommen. Oberbürgermeister Dr. Lackner empfängt den 92-jährigen Nikolaos Marinakis aus Skines im Vorfeld eines Hearings, das um 12.00 Uhr im Kurgastzentrum beginnt.

Neben Marinakis ist auch Aristomenis Syngelakis vom Nationalrat für die Entschädigungsforderungen Griechenlands vom Stadtoberhaupt eingeladen. Positiv überrascht zeigt sich Anna Jade, Sprecherin des rabatz bündnisses: »Wenn die Einladung zum Gespräch nicht nur eine Formalie ist, sondern Herr Dr. Lackner seinen Gästen zuhört, gehen wir davon aus, dass die Stadt ihre Zusammenarbeit mit dem Kameradenkreis schon bald einstellen wird.«
Dies sei alternativlos. Denn, »wer sich die bestialischen Verbrechen der Wehrmacht auf Kreta vor Augen führt, kann den Kameradenkreis der Gebirgstruppe als deren Traditionsträger nicht mehr unterstützen.« Bewegt sich Bad Reichenhall? weiterlesen

Kampf um »Ghetto-Renten«

Die juristische Aufarbeitung des Nationalsozialismus in Deutschland gleicht einem Minenfeld, spätestens dann, wenn es um materielle Entschädigungen oder Forderungen geht. Diese Erfahrung musste auch der Sozialrichter Jan-Robert von Renesse aus Essen machen.

In der Anwendung des „Gesetzes zur Zahlbarmachung von Renten aus Beschäftigungen in einem Ghetto“ arbeitete er anders, vor allem zügiger und wohlwollender als seine Berufskollegen. Deren Verhalten legte den Verdacht des „Aussitzens“ bis zum Versterben der Anspruchsberechtigten nahe.

In der Konsequenz sah sich der Sozialrichter selbst der Justiz ausgesetzt. In einem Disziplinarverfahren gegen ihn wird im März diesen Jahres ein Vergleich vorgeschlagen. Julia Smilga hat für den Bayerischen Rundfunk von Renesse über mehrere Jahre begleitet und eine eindrückliche Reportage über Renesse’s Wirken erstellt.
Sie kann hier als mp3 heruntergeladen oder hier nachgelesen werden.

Es begann bei (k)einem Schweinebraten..

»Von Mittenwald nach Bad Reichenhall« lautete der Untertitel des Aufrufs 2011. Bezugspunkt dabei war die Kampagne gegen die Brendtenfeier des Kameradenkreises der Gebirgstruppe, durchgeführt durch den Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege.

Der erste Besuch am Rand der Brendtenfeier datiert dabei auf das Jahr 2002: Beim traditionellen Schweinebratenessen wurden die anwesenden Gebirgstrüppler dazu aufgefordert, eine Schweigeminute für die Opfer ihrer Kriegsverbrechen abzuhalten. Wir dokumentieren einen Bericht aus dem Jahr 2003 zitiert nach nadir.org.
Einiges hat sich in Mittenwald seitdem geändert – zum Beispiel die Speisevorlieben: Statt Schweinebraten verzehrt die Truppe lieber rohe Leber. 2016 wird die Brendtenfeier übrigens am Freitag, 13.Mai, in Mittenwald abgehalten.

Mein Opa ist Kriegsverbrecher und wohnt in Mittenwald

Nach Presseangaben besuchte am 18. Mai 2002 eine Zahl von 56 Autonomen aus Köln in der Kneipe Postkeller das fünfzig lange Jahre ungestörte Kameradschaftstreffen der Gebirgsjäger. Ohne größere Behinderungen gelangten sie über eine Treppe und in einem kommunistischen Sinne vorbei an einem Eintrittstisch in den mit ca. 200 Gebirgsjägern, Bundeswehrsoldaten und ihren Angehörigen voll besetzten Kneipensaal. Es begann bei (k)einem Schweinebraten.. weiterlesen

SS-Gedenken am 07.Mai

Nach Informationen des aida-archivs halten Neonazis das jährliche SS-Gedenken 2016 am Sa, 07.Mai ab 14.00 Uhr am Kugelbachparkplatz/Karlstein ab. Laut einem Nazi-Flugblatt tritt als Hauptredner Philipp Hasselbach auf. Er ist Landesvorsitzender der Neonazi-Kleinstpartei „Die Rechte“.

Üblicherweise müssen Nazis um Hasselbach bei ihren Veranstaltungen mit erheblichen Widerstand aus der Zivilgesellschaft rechnen; so stellten sich beispielsweise in Rosenheim im August und September 2015 bis zu 1.000 Menschen Aufmärschen und Kundgebungen entgegen und verhinderten diese. Spätestens seit den Razzien bei fränkischen Partei-Mitgliedern im Herbst des vergangenen Jahres ist das Gefahrenpotential dieser Naziorganisation offensichtlich: Gefunden wurden 16 Kilo in Polen bestellter Kugelbomben, die tödliche Wirkung entfalten können. Laut Oberstaatsanwalt Ohlenschlager seien zwei Flüchtlingsunterkünfte und ein linker Treffpunkte in der Stadt mögliche Ziele gewesen. (Quelle: Endstation Rechts Bayern. Thomas Witzgall kommt zu der Einschätzung, Die Rechte agiere in Franken wie eine kriminelle Vereinigung.